ZUSAMMEN können wir alles schaffen

Anders als im vergangenen Jahr, in dem wir erstmals das Abschiedsfest im Rahmen eines echten Beteiligungsprojekts geplant und gefeiert hatten, war diesmal keine Spur von Ratlosigkeit oder gar Verunsicherung in den Gesichtern unserer Vorschulkinder zu sehen, als wir fragten, wie sie ihren Abschied feiern möchten.

Ganz im Gegenteil, die Ideen und Vorschläge sprudelten nur so hervor und wir mussten uns ordentlich ins Zeug legen, um die vielen Wünsche und Vorstellungen grafisch zu dokumentieren. Wir begleiteten den Planungsprozess der Kinder sehr zurückhaltend und stellten ihnen hauptsächlich Mittel und Methoden zur Strukturierung, Abstimmung und Dokumentation zur Verfügung. Viel mehr brauchten sie diesmal tatsächlich auch gar nicht.

Schnell war klar, wann das Fest wo und mit welchen Gästen stattfinden sollte. Überrascht hat uns, dass dieses Fest ganz anderes werden sollte, als das letztjährige. Auf Nachfrage erklärten die Kinder uns: „Es soll doch unser eigenes Fest werden! Darum brauchen wir eigene Ideen und können nichts machen, was die alten Vorschulkinder schon gemacht haben.“ Die kommenden Generationen werden vor einer zunehmend größer werdenden Herausforderung stehen, wenn sie das genauso sehen.

Nachdem das Fest bis ins Detail geplant war und die Kinder sich mit unserer Einrichtungsleitung sowie dem Koch abgestimmt hatten, konnten wir in die umfangreichen Vorbereitungen einsteigen. Es wurden Aufgaben verteilt, Einladungen für die Familien erstellt, Schultüten gebastelt, Hunderte von Papiersternen ausgeschnitten, mit Hilfe einer Mutter Wimpelketten aus zuvor in mühsamer Arbeit zugeschnittenen Stoffen genäht, Räume und Garten dekoriert, eine Popcornmaschine sowie Luftschlangen aufgetrieben, Muffins gebacken, eine Playlist zum Rutschen aus dem Kindergarten erstellt, u.s.w. Sogar eine kurze Begrüßung der Gäste in den verschiedenen Muttersprachen der Vorschulkinder wurde vorbereitet, auch wenn diese am Ende nicht live sondern Playback vorgetragen wurde, da die Aufregung dann doch zu groß war.

Nachdem die Herausforderung im vergangenen Jahr darin bestand, die Kinder zu ermutigen und darin zu bestärken, die ihnen zugestandenen, umfangreichen Entscheidungsbefugnisse zu nutzen, zeigte sich in diesem Jahr eine ganz andere Schwierigkeit. Unsere Vorschulkinder gingen die Planung mit so viel Feuereifer, Courage und Ideenreichtum an, dass wir befürchteten, dass das Projekt uns allen in seinem Umfang über den Kopf wachsen könnte.  

Kinder, die in den vergangenen Jahren immer nur mit großer Mühe zum Basteln zu bewegen waren, fanden sich schon früh morgens im Atelier ein, um an der Dekoration weiterzuarbeiten. Die Gruppe entwickelte ein hohes Maß an Energie, Durchhaltevermögen und Perfektionismus. So manches Mal hätten wir gern Fünfe gerade sein lassen, aber das ließen die Kinder nicht zu. So wurde uns in diesem Jahr eine neue Herausforderung der echten Partizipation deutlich. Mitbestimmung, Machtabgabe, Kreativität, Gleichwürdigkeit, Aushandlungen auf Augenhöhe und demokratische Entscheidungen können zu sehr komplexen, vielschichtigen Projekten führen.

Die Leidenschaft, mit der unsere Kinder Tag für Tag unermüdlich ans Werk gingen, wischte jedoch schnell alle Zweifel fort und zeigte uns, dass wir den Rahmen nicht begrenzen sollten.

„Wir haben uns alles ganz genau überlegt. Das hat Spaß gemacht. Manchmal war es auch ganz schön anstrengend, aber es war so toll, dass wir alles allein entscheiden durften!“ Luisa, 6 Jahre

Am Ende war das Abschiedsfest ein voller (Lern-)Erfolg. Die Kinder haben viel Selbstwirksamkeit erfahren und ihre Handlungs- sowie Problemlösekompetenzen erweitert. Sie haben Gruppenentscheidungen herbeigeführt, sind zusammengewachsen und haben gemeinsam frustrierende Momente (die geplante Übernachtung war nicht realisierbar) gemeistert.

Das großartige Fest bei strahlendem Sonnenschein mit ausgewählten Gästen im buntgeschmückten Garten mit anschließendem Kinoabend, hat uns wieder einmal gezeigt, dass Kinder zu Unglaublichem fähig sind, wenn ihre Begeisterung erst einmal geweckt ist und wir an sie glauben.

„Das Fest war richtig cool. Wir haben alles so gemacht, wie es auf unserem Plan draufstand. So wollte ich meinen Abschied haben.“ Emil, 6 Jahre